Nachhaltigkeit

So grün wie möglich

Umweltschutz heißt Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen erhalten und schützen. Dazu gehören saubere Luft, sauberes Wasser und Platz zum Leben. Das Industriegebiet wird Raum brauchen, jedoch wird die Umwelt so wenig wie möglich beeinträchtigt ‒ das ist Gesetzgebung und moralische Pflicht. Für die auf den Flächen lebenden Tiere werden neue Lebensräume und Ausgleichsflächen geschaffen, um die Biodiversität zu erhalten. Darüber hinaus befinden sich auf der Fläche keine naturschutzfachlich geschützten Strukturen.

Die Industrie der Zukunft muss sich in unseren Lebensraum eingliedern. Abgetrennte Industriegebiete hinter Zäunen gehören der Vergangenheit an. In Wiedemar ist nicht weniger als ein wegweisender Hochtechnologiepark mit Vorbildwirkung geplant. Vor allem der grüne Gürtel gestaltet einen harmonischen Übergang von den umliegenden Wiesen und Dörfern zum Industriepark und lädt zum Verweilen und Erholen ein. Im Park selbst wird so viel Fläche wie möglich begrünt. 

Insgesamt werden innerhalb des Industriegebietes mindestens 69 Hektar Grünstrukturen angelegt, welche vor allem klima-ökologische Ziele verfolgen. Es werden innerhalb des Industriegebiets mindestens 3.086 Bäume entlang der dortigen Straßen und Parkplätze gepflanzt. Dies erfolgt auf einer Fläche von 23,1 Hektar. Zusätzlich sind insgesamt 43,2 Hektar weitere Fläche für Sträucher, Bäume und Rasen geplant.

 

Auch landwirtschaftliche Nutzung ist Wirtschaft. Das heißt, dass bisher die Felder nicht für Naherholung da sind, sondern um Ertrag zu erwirtschaften.

Der grüne Gürtel, welcher das Industriegebiet umschließen wird, ändert das. Er schafft einen Übergang zu den umliegenden Feldern ‒ mit Radwegen, Spielplätzen und weitreichenden Grünanlagen, mit Raum zur Erholung. Insgesamt sind dafür circa  61 Hektar vorgesehen. Ein begrünter Wall gestaltet außerdem den Blick auf das Industriegebiet, das sich so möglichst harmonisch in die Landschaft eingliedert.

Der Bebauungsplan richtet sich nach den Vorgaben des klimagerechten Bauens. Was heißt das? Gebäude werden so ausgerichtet, dass ein Kaltluftaustausch durch Frischluftschneisen gewähr- leistet wird. Branchen mit starken Emissionen werden von vornherein ausgeschlossen. Störende Gerüche oder andere Faktoren, welche die Luftqualität beeinträchtigen, werden durch die Auswahl der möglichen Branchen ebenso ausgeschlossen.

Auf 60 Prozent der Gebäude ist eine Dachbegrünung geplant. Begrünte Dächer verzögern den Regenwasserabfluss, verbessern die mikroklimatisch-lufthygienische Situation im direkten Baukörperbereich, binden Staub, filtern Regenwasser und schaffen Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Die Dachbegrünung isoliert die Gebäude, und in Verbindung mit Solarmodulen werden auf der Fläche weitere Klimaeffekte erzielt.

Geplanter Grüngürtel

„Naturschutz ist wichtig! Die Gemeinde Wiedemar wird ein umfangreiches Kompensationskonzept umsetzen, um somit die Eingriffe in die Landschaft auszugleichen.“  Thomas Wille, Bereichsleiter Natur, seecon Ingenieure GmbH

Zukunft bringt Erneuerung

Wasser zurückhalten

Aktuell wird die Fläche intensiv landwirtschaftlich genutzt. Plötzlich auftretendes Regenwasser wird dadurch wenig zurückgehalten, denn Grünflächen sind rar. Mit einem neuen Entwässerungskonzept soll sich speziell die Wassersituation verbessern.

Grundwasser schützen

Der hiesige Wasserhaushalt wird verbessert und die Gefahr von Hochwasser verringert. Jegliche Maßnahmen werden eng mit der zuständigen Wasserbehörde abgestimmt, die auf die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen in besonderer Weise achtet. 

Regenwasser aufnehmen

So viel wie möglich Regenwasser soll auf dem Gebiet versickern können oder von begrünten Dächern aufgenommen werden. Ziel ist es, eine möglichst große Menge des anfallenden Regenwassers zu speichern, zu reinigen und im Gebiet versickern zu lassen oder wiederzuverwenden. Grüne Zonen an Parkplätzen, versickerungsfähige Beläge, Mulden mit Pufferspeichern, Tausende neu gepflanzte Bäume, spezielle Becken, die Wasser aufnehmen und versickern lassen, gehören dazu. Ebenso werden Dächer begrünt, was zusätzlich Wasser zurückhält und das Klima im Umfeld abkühlt.

Wasser wird immer mehr zur Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung. Neben einem ressourcenschonenden Kreislauf zum Umgang mit dem Brauch und Abwasser im Industriegebiet braucht es ausreichend dimensionierte Zu- und Ableitungen, mit hoher Versorgungssicherheit.

14 Kilometer Zu- und Abwasser durch neue Leitungen

Konkret ist eine neue 14 Kilometer lange Trinkwasserleitung zum Anschluss an die Fernwasserversorgung geplant. Diese Zuleitung dient einerseits der zuverlässigen Versorgung des Industrievorsorgegebiets und stärkt andererseits die Versorgungssicherheit der Gemeinde und Region Wiedemar stärken. Gleiches gilt für die geplante, 18 Kilometer lange neue Abwasserleitung.

Im aktuellen Bebauungsplan gibt es nach der Wasserrahmenrichtlinie ein „Verschlechterungsverbot“ für die umliegenden Wasserkörper. Was heißt das? Das Grundwasser darf sich in Güte und Dargebot nicht verschlechtern. Auch das Oberflächenwasser darf sich nicht verschlechtern. Das gilt auch, wenn durch Unfälle oder Überschwemmungen unvorhergesehene Ereignisse eintreten sollten.

Insgesamt wird sich durch die Planung der ökologische, chemische und mengenmäßige Zustand der umliegenden oberirdischen Gewässer und des Grundwasserkörpers verbessern.

Wenn Böden versiegelt werden, kann das Wasser nicht versickern. Jedoch ist die Planung komplexer. Nicht die komplette Fläche wird versiegelt, sondern etwa zwei Drittel der Gesamtfläche. Begrünte Dächer helfen zudem, das Wasser gezielt der Versickerung zuzuführen.

Dennoch findet ein Eingriff statt, der andernorts ‒ am besten im direkten Umfeld ‒ wieder ausgeglichen wird.

Licht nur da, wo es gebarucht wird

Die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen, auch Lichtverschmutzung genannt, hat Auswirkungen auf Tiere und kann bei Menschen zu Schlafstörungen führen.

In einem modernen Industriegebiet gilt der Grundsatz, Licht nur dorthin zu lenken, wo es gebraucht wird und auch nur dann, wenn es gebraucht wird. Sensoren werden eingesetzt, um Beleuchtung nur dort einzuschalten und eingeschaltet zu lassen, wie Licht an dieser Stelle auch tatsächlich benötigt wird.

Entscheidend ist dabei auch die Art des Lichts: Moderne LEDs können so gesteuert werden, dass nur bestimmte Farbspektren ausgestrahlt werden, die Tiere zum Beispiel weniger stören. Werbetafeln oder wechselnde Lichtbanner werden nicht zugelassen. Außerdem wird mit dem grünen Sichtschutzwall neben weiteren Maßnahmen für eine wirksame Abschirmung gesorgt.

„Der Immissionsschutz ist ein komplexer und vielseitiger Bereich, der in Bezug auf eine industriell-gewerbliche Nutzung einen besonderen Stellenwert einnimmt. Umso wichtiger ist es, sich mit dem Thema in vertiefter Weise auseinanderzusetzen. Und das haben wir!“  Marco Spatz, Statdtentwicklung und Städtebau, ICL Ingenieur Consult GmbH

In Ruhe leben

Verbindlich festgeschriebene Lärmkontingente garantieren, dass die umliegenden Ortschaften nicht von unzulässiger Lärmbelästigung betroffen sein werden. Diese Kontingente wurden so niedrig gewählt, dass sich lärmintensive Industrien ohnehin nicht ansiedeln können. Das würde auch nicht zur Zielstellung „Hochtechnologie“ passen. Die Belastung durch Verkehrslärm wurde berechnet und unterschreitet die gesetzlichen Werte deutlich. Für Storkwitz wird eine Ortsumfahrung geplant.

Nachhaltig bewegen

Um den Verkehr und die Abgase zu reduzieren, werden nachhaltige Verkehrskonzepte geplant. Dazu zählen ein guter Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr, eine kluge Vernetzung mit dem individuellen Verkehr, emissionsarme Elektromobilität und Mitfahrangebote. Alles soll dazu führen, den individuellen Pkw-Verkehr zu reduzieren und vor allem emissionsfrei zu gestalten.

Aufheizen reduzieren

Nachts kann es im Vorhabengebiet wärmer werden, jedoch definitiv ohne die Umgebung aufzuheizen. Tagsüber gibt es einen umgekehrten Effekt. Beim klima- gerechten Bauen werden Schneisen für frische Luft einbezogen. Kaltluft kann strömen, auch in die Umgebung. Die grünen Dächer und bepflanzten Inseln senken die Temperatur zusätzlich. Das Entwässerungskonzept wird ebenso die klimatisch bedingte Aufheizung der Region reduzieren.

Derzeit wird ein Industrievorsorgegebiet geplant. Das heißt, welche Unternehmen sich konkret dort ansiedeln, ist noch nicht klar. Was allerdings klar ist: Es werden zukunftsorientierte Branchen sein, die emissionsarm arbeiten. Es wird weder rauchende Schornsteine noch Schlote geben. Unternehmen müssen auf ihre Außenwirkung achten. Sie müssen aber auch Umweltanforderungen genügen – und die verschärfen sich über die Zeit.

Das Gleiche gilt für Geruchsemissionen: Auch wenn noch nicht feststeht, welche Unternehmen kommen, kann eine Geruchsbelastung durch die geltenden Immissionsrichtlinien sowie die festgelegte Höhenbeschränkung ausgeschlossen werden. Hochtechnologie heißt wenig Emissionen in Luft, Boden und Wasser. 

Expertenstimmen zur
nachhaltigen Entwicklung einer Großansiedlung in Wiedemar

Ein nachhaltiger Standort ist nur dann nachhaltig, wenn er auf allen Feldern in Zukunft klimaneutral ist und da auch nachhaltige Strukturen liefert. Das wird nicht von heute auf morgen geschehen, aber 2030 wird das der Goldstandard sein. Ansonsten sind Sie nicht wettbewerbsfähig mit einem Standort. 

Christian Growitsch Fraunhofer IMW

Dr. Christian Growitsch

Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie

Ich bin überzeugt davon, dass das Wasser aus dem Harz verfügbar wäre, weil wir zu DDR-Zeiten viel mehr Wasser verbraucht haben als heute. Die Wassermengen, die wir verbrauchen, haben sich immens verringert in den letzten Jahren. 

Rayk Bergner

Bürgermeister Schkeuditz

In den letzten 20 Jahren hat sich die Wirtschaftskraft im Freistaat Sachsen verdoppelt – bei gleichbleibendem CO-Ausstoß. Das heißt, jede Einheit BIP, die derzeit im Freistaat Sachsen entsteht, wird mit einem deutlich geringeren Anteil als vor 20 Jahren erwirtschaftet. Das ist doch der Weg, den wir weiter gehen müssen. Mit Innovationen guten Umweltschutz ermöglichen. Mit Innovationen einen Einklang und eine nachhaltige Wirtschaftsstruktur aufbauen. Darum geht es in Wiedemar – und um solche Industrie. 

Oliver Schenk

Staatsminister und Staatskanzlei-Chef des Freistaates Sachsen

Nachlesen im Magazin

Im Zukunftsmagazin finden Sie einen Überblick zu allen wichtigen Aspekten der IVG-Planungen – kompakt zusammengefasst und anschaulich dargestellt. Das Magazin ist bei unseren Dialogveranstaltungen gratis erhältlich oder hier als PDF digital zu lesen. 

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