ZUKUNFTSFORUM #2:
Das Industrievorsorgegebiet Wiedemar und die wirtschaftlichen Chancen für die Region

Wirtschaftliche Potenziale für die Menschen, die Wirtschaft sowie die Infrastruktur der mitteldeutschen Region

Am 24. November 2023 fand die zweite Ausgabe vom ZUKUNFTSFORUM statt – die zentrale Dialogveranstaltung zum geplanten Industrievorsorgegebiet Wiedemar. Dieses Mal drehte sich alles um die wirtschaftlichen Chancen, die sich aus einer Großansiedlung ergeben können – für die Gemeinde Wiedemar und die gesamte mitteldeutsche Region. Der Einladung zum ZUKUNFTSFORUM #2 folgten, trotz Schneeregens und kalten Temperaturen, über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Unter ihnen waren auch mehrere Vertreterinnen und Vertreter aus der regionalen Wirtschaft und Politik vor Ort. Auf dieser Seite finden Sie einen Mitschnitt der Diskussionsrunden sowie einen ausführlichen Nachbericht.

Die wirtschaftlichen Chancen für die ZUKUNFTSREGION WIEDEMAR - Eine Zusammenfassung des ZUKUNFTSFORUMS #2

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Einblicke in die Dialogrunden - das gesamte ZUKUNFTSFORUM #2 zum Nachbesuchen

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Grußwort und Status-Bericht aus dem Gemeinderat

Moderiert wurde das ZUKUNFTSFORUM #2 erneut von Peter Escher. Gemeinsam mit Ute Meißner, Gemeinderätin von Wiedemar, begrüßte er die Gäste und fragte nach dem aktuellen Prüfungsstatus der Stellungnahmen zum Bebauungsplan des IVG Wiedemar. Diese Planungsunterlagen standen im Mittelpunkt vom ersten ZUKUNFTSFORUM am 6. September 2023. Frau Meißner erklärte, dass das Planungsbüro und alle relevanten Ämter die 333 eingegangenen Stellungnahmen der Bürgerinnen und Bürger gründlich prüfen. Es sei eine große Aufgabe, deshalb ist mit einem Abwägungsprotokoll erst im Frühjahr 2024 zu rechnen.

Anschließend begrüßte auch Oliver Schenk, Chef der Staatskanzlei des Freistaates Sachsen, die Bürgerinnen und Bürger. Er merkte an, dass er in den vergangenen Monaten häufiger in Wiedemar für Gespräche gewesen sei und sich auf die Diskussion am heutigen Abend freue.

In der sächsischen Politik treibt uns eine Frage besonders um: Wie geht es mit unserem Land in den nächsten Jahrzehnten weiter. Aktuell sehen wir viele weltweite Investoren auf Standortsuche. Und wir wollen die Frage stellen, ob die Region Wiedemar ein solcher Standort sein kann. Mir ist klar, dass dies eine schwierige Entscheidung ist, ein Eingriff in die heutige Struktur.”
Oliver Schenk, Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Medien und Chef der Staatskanzlei des Freistaates Sachsen

Im Anschluss stellte Peter Escher das Programm des Abends vor. Insgesamt vier Dialogrunden zu wirtschaftlichen Themen waren geplant – organisiert in einem innovativen, sehr dynamischen Talkshow-Rahmen, dem so genannten Fishbowl-Format. Peter Escher erklärte die Methode, mit der an diesem Abend möglichst viele verschiedene Perspektiven zu Wort kommen sollten.

Mehrere Stuhlkreise waren im Begegnungszentrum Zwochau aufgebaut. Im Innenkreis konnten sechs Personen ihre Standpunkte äußern und diskutieren. Vom Außenkreis aus ließen sich die Diskussionen verfolgen. In jeder Runde wechselten die sprechenden Personen – auch innerhalb einer Diskussion. Denn das Format sah vor, dass ein bis zwei Stühle im Innenkreis variabel besetzt werden. Meldete sich jemand aus dem Außenkreis für eine Frage oder Anregung, wechselte er / sie auf den freien Stuhl. Anschließend war der Platz frei für weitere Wortmeldungen aus dem Außenkreis.

Das Angebot wurde von den Bürgerinnen und Bürgern im Laufe des Abends gut und weitgehend konstruktiv angenommen. So ergaben sich über die vier Dialogrunden hinweg lebhafte Debatten mit vielfältigen Perspektiven.

Dialogrunde 1 – Investition in die Zukunft: Warum muss Sachsen in Zukunft investieren? Welche Großansiedlung könnte kommen? 

Wenn große internationale Unternehmen kommen, wachsen sie und schaffen auf Jahre hinweg gute Jobs.
Thomas Horn, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH

Nach der Einführung in den Abend startete die erste Diskussionsrunde. Im Innenkreis saßen neben dem sächsischen Staatsminister und Staatskanzleichef, Oliver Schenk, auch der Landrat Nordsachsens, Kai Emanuel, Thomas Horn von der Wirtschaftsförderung Sachsens, der Schkeuditzer Bürgermeister Rayk Bergner sowie Jörn-Heinrich Tobaben, Geschäftsführer der Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH.

In der Diskussion wurde deutlich, dass derzeit nahezu alle Branchen einen Veränderungsprozess durchleben. Besonders durch den Aufstieg der Digitalisierung sei der Fokus auf Hochtechnologie eine wichtige Investition in die wirtschaftliche Zukunft Sachsens. Die Nachfrage nach geeigneten Ansiedlungsflächen dafür sei hoch. Mit Blick auf bereits vorhandene Branchen-Cluster und Forschungseinrichtungen in der Region wäre eine Großansiedlung in den Bereichen der Automobilindustrie, Mikroelektronik, Biotechnologie, Halbleiter, Neue Werkstoffe und innovative Kraftstoffe denkbar.

Im Verlauf der Diskussion äußerten sich auch Bürgerinnen und Bürger. Sie brachten ihre Bedenken zur wirtschaftlichen Nachhaltigkeit von Technologie-Jobs in einer globalen Welt sowie zur Strom- und Wasserversorgung einer Großansiedlung ein.

Der Experten-Tenor dieser Runde: Sachsen ist ein begehrter Standort für Zukunftstechnologien – und besonders Wiedemar hat aufgrund seiner Lage und Infrastruktur großes Potenzial.

„Wirtschaft ist ein sehr dynamischer Prozess. Wir erleben in vielen Branchen einen Strukturwandel. Vor 30 Jahren hat niemand gesehen, wie rasant das Digitale unseren Alltag verändern wird. Und heute sind es digitale Unternehmen, die das meiste Geld verdienen, die die meisten Jobs schaffen und einen großen Einfluss haben. Deshalb ist es wichtig, dass man als Region und Land bei solchen Entwicklungen dabei ist und sich darauf vorbereitet. Das ist aus meiner Sicht verantwortungsvolle Politik.”

– Oliver Schenk, Chef der Staatskanzlei des Freistaates Sachsen


Infolge der Corona-Pandemie und der globalen Konflikte sagen immer mehr Unternehmen, dass sie auch Produktionsstandorte in Europa brauchen. Mit der mitteldeutschen Region haben wir die perfekte Lage dafür – aufgrund der Geografie und unserer Forschungs- und Bildungslandschaft.”

– Thomas Horn, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Sachsen

„In Sachsen und Mitteldeutschland haben wir mehrere Hochtechnologieschwerpunkte: Mikroelektronik und Informationstechnik; Maschinenbau mit Automatisierung und Robotik; Biotechnologie und Medizintechnik; Umwelt- und Energietechnik sowie Fahrzeugbau. Hier sehen wir weitere Potenziale.”

– Thomas Horn, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH

„Laut des Beratungsunternehmens Prognos gibt es drei kritische Entscheidungsfaktoren für Großansiedlungen: die Verfügbarkeit von Flächen, grüner Energie und Fördermitteln. Insbesondere bei dem letzten Punkt haben wir in Mitteldeutschland eine historische Situation. Durch das Strukturstärkungsgesetz und die Bereitschaft des Freistaates Sachsen, ein IVG Wiedemar zu fördern, steht das Geld bereit. Daher wäre die Region im bundesweiten Ranking weit vorn.”

– Jörn-Heinrich Tobaben, Geschäftsführer der Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH

„Das passiert auch im Rahmen der Brachflächen-Revitalisierung. Aber wir haben keine Flächen in der Größenordnung eines möglichen IVG Wiedemar. Es geht hier um eine besondere Ansiedlung mit einem außergewöhnlichen, zukunftsweisenden Profil. Etwas, was so deutschland- und europaweit einzigartig sein soll.”

– Rayk Bergner, Oberbürgermeister Stadt Schkeuditz

„Es ist genau umgekehrt – das CTC möchte die Chemie-Industrie revolutionieren, weg von der fossilen Basis auf Erdöl und Erdgas. Wenn dies gelingt, braucht es auch Industrie- und Gewerbegebiete, um darauf eine Wertschöpfung in der Region aufzubauen. Es ist also eine historische Chance, hier etwas Neues aufzubauen.

– Jörn-Heinrich Tobaben, Geschäftsführer der Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH

Dialogrunde 2 – Wirtschaft vor Ort: Wie können kleine und mittelständische Unternehmen von der Ansiedlung profitieren? 

Die zweite Diskussionsrunde widmete sich den Belangen des regionalen Mittelstands. Wie kann er von einer Großansiedlung profitieren? Kristian Kirpal, Präsident der IHK zu Leipzig, schilderte seine positiven Erfahrungen als Unternehmer eines mittelständigen Betriebs aus Nordsachsen. Die leitende Wirtschaftsförderin der Stadt Leipzig, Anja Hähle-Posselt, ergänzte ihre Erfahrungen aus Leipzig. Die Stadt erlebt seit rund 20 Jahren infolge der Großansiedlungen von Porsche, BMW und DHL einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Dr. Christian Growitsch vom Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie ergänzte, dass es empirische Belege dafür gibt, das Großansiedlungen positive Effekte auf eine Region haben können. Ein großer Industriepartner wirke wie ein Magnet und ziehe weitere Unternehmen und Fachkräfte in die Region. Zugleich steigere ein global agierendes Hochtechnologie-Unternehmen nachhaltig die wirtschaftliche Stabilität einer Region.

Aus der Bürgerschaft kamen unter anderen Bedenken, dass durch eine Großansiedlung wertvolle Landwirtschaftsflächen wegfallen und dass scheinbar die Entscheidung für ein Industriegebiet in Wiedemar bereits getroffen sei. Dem entgegnete Staatskanzlei-Chef Oliver Schenk, dass nichts final entschieden ist und die aktuellen Debatten – auch im ZUKUNFTSFORUM #2 – dazu da seien, dass alle Argumente auf den Tisch kommen und alle Bürgerinnen und Bürger die Chance erhalten, im Jahr 2024 bei dem Bürgerentscheid eine verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen.

Das Experten-Fazit dieser Runde: Großansiedlungen haben überregionale Strahlkraft auf den gewachsenen und auch auf einen neu entstehenden Mittelstand.

Für uns als Unternehmen waren die Ansiedlungen von Porsche und BMW in Leipzig eine riesige Chance, damit meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr in den Westen zu Aufträgen fahren müssen.
Kristian Kirpal, Präsident Industrie- und Handelskammer zu Leipzig

„Wenn ich mir die Firmen anschaue, die bei BMW und Porsche unterwegs sind, sind das in der Regel alles hier verankerte Firmen. In der großen Industrie beginnt die Wertschöpfung einer Region. Ohne diese Unternehmen müssen mittelständische Dienstleister in den Westen zum Arbeiten fahren – oder sich mit Dumpingpreisen um die wenigen öffentlichen Ausschreibungen in der Region reißen.”

– Kristian Kirpal, Präsident IHK zu Leipzig und Geschäftsführer KET Kirpal Energietechnik GmbH Anlagenbau & Co. KG

„Je mehr Unternehmen und je mehr wirtschaftliche Diversität in den Branchen und Firmengrößen vor Ort sind, desto größer ist die Chance, dass die Menschen in der Region bleiben. Viele Menschen meiner Altersklasse sind in den 1990er/2000er Jahren aus Leipzig weggezogen, weil es hier keine gut bezahlte Arbeit gab. Und ich befürchte, dass meine Kinder auch nicht hierbleiben, wenn sie keine entsprechende Stelle finden. Mitteldeutschland ist noch längst nicht über den Berg und muss von anderen Bundesländern unterstützt werden.”

– Anja Hähle-Posselt, Leiterin Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig


„Schkeuditz hat sich in den letzten zehn Jahren exorbitant entwickelt. Die Saat dafür wurde aber bereits in den 1990er Jahren gesät. Und das ist keine Entwicklung unserer Stadt allein – die ganze Region hat daran ihren Anteil und profitiert auch davon.“

– Rayk Bergner, Oberbürgermeister Stadt Schkeuditz

„Zu Anfang käme erstmal eine relativ große Investitionssumme in die Region. Das allein wirkt sich schon ökonomisch positiv aus. Sie schafft mindestens in der Bauzeit Aufträge, Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Im Anschluss steigt dann die Nachfrage nach Zuliefererdienstleistungen. Dafür sind regionale Cluster und Ökosysteme notwendig, in denen sich große, integrierte Investitionen einbetten und langfristig wirken.”

– Dr. Christian Growitsch – Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie –

„Das machen die Kommunen und Wirtschaftsförderer Tag für Tag. Das passiert parallel. Schon jetzt unterstützen sie den Mittelstand vor Ort dabei, dass er wachsen kann. Das ist die Kernaufgabe der Kommunen.”

– Oliver Schenk, Chef der Staatskanzlei des Freistaates Sachsen

Dialogrunde 3 – Arbeitsplätze für Fachkräfte: Wie wird der Fachkräftebedarf gesichert?

Eine rege Debatte gab es auch in der dritten Dialogrunde zum Fachkräftebedarf einer Großansiedlung. Wieder mit dabei: Oliver Schenk und Kristian Kirpal. Beide betonten, wie wichtig eine zukunftsorientierte Wirtschafts- und Standortpolitik ist, um Fachkräfte in der Region zu halten bzw. neue zu gewinnen. Zugleich ließen sich durch die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung auch mit weniger Fachkräften hohe Wertschöpfungen ermöglichen.

Sven Keyselt, Leiter der Wirtschaftsförderung des Landkreises Nordsachsen, brachte einen weiteren Punkt ein: Eine Großansiedlung in Wiedemar könnte die rund 44.000 Menschen seines Landkreises entlasten, die derzeit in andere Regionen pendeln müssen. Verschiedene Beispiele der Vergangenheit hätten auch gezeigt, dass Großansiedlungen national wie auch international Leuchtcharakter haben und Zuzug generieren können.

Wir waren immer ein Industrieland. Sachsen war zu Beginn der Industrialisierung das reichste Land Deutschlands. Wir waren bei 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – heute sind wir bei 80 Prozent. Das war ein Land, wo Menschen hingegangen sind aus der ganzen Welt, weil die gesagt haben, da kann ich meine Vorstellungen umsetzen. Die brauchen mich. Die können mich bezahlen. Hier zieht es die klügsten Köpfe der Welt hin. Das ist doch eine Vision, für die es lohnt, sich einzusetzen, zu diskutieren und diese Attraktivität wieder zu schaffen.
Oliver Schenk, Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Medien und Chef der Staatskanzlei des Freistaates Sachsen

Henning Mertens, Projektleiter Strukturwandel in der Metropolregion Mitteldeutschland, sprach sich dafür aus, dass die Region zusammenstehen müsse und mit einem gemeinsamen Fachkräftemarketing strahlen sollte, um als attraktiver Arbeits- und Lebensort wahrgenommen zu werden.

Mit Luisa Gruber saß auch eine Vertreterin der Bürgerinitiative „Kein Industriegebiet“ im Innenkreis und beteiligte sich an den Diskussionen. Sie meinte: „Es geht nicht darum, ob wir allgemein für Industrie in Sachsen und Deutschland sind. Es geht um eine Standortfrage: Muss es hier in Wiedemar sein? Wir sind eine sehr steuerstarke Gemeinde, wir haben einen starken Zuzug und eine junge Bevölkerung. Hier gibt es seit Jahrhunderten Landwirtschaft und die Leute ziehen wegen des ruhigen Landlebens hier her. Deshalb sind aus meiner Sicht kleine Betriebe und Landwirte auch in Zukunft die passenden Arbeitgeber für die Menschen hier.“ Auch in dieser Diskussion meldeten sich mehrere Bürgerinnen und Bürger zu Wort: So erzählte eine Unternehmerin von ihren Schwierigkeiten, Fachkräfte zu finden.

Aus den Anregungen der Experten ließ sich ableiten: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten in der Region, Fachkräfte für eine Großansiedlung zu gewinnen.

„Wir haben eine Fachkräfteknappheit in der Region, ja. Und wir haben eine sehr kleinteilige Wirtschaft hier. Viele kleine tausend Unternehmen haben gar nicht die Power, auf internationalen Märkten nach Mitarbeitern zu suchen. Das heißt: Eine Region muss sich so profilieren, dass sie attraktiv nach außen wirkt. Es braucht Strahlkraft, es braucht Leuchttürme. Wir haben schon einige solcher Unternehmen. Aber für Mitteldeutschland mit seinen rund zwei Millionen Menschen reicht das noch lange nicht aus.”

– Henning Mertens, Projektleiter Strukturwandel bei der Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH


„In Nordsachsen gibt es seit vielen Jahren den ‘Rückkehrertag’, bei dem wir Menschen ansprechen, die aus der Region weggezogen sind. In den Diskussionen mit ihnen heißt es immer: Wenn es in der Region vergleichbare Arbeitsplätze und vergleichbare Löhne gäbe, würden sie wieder zu ihren familiären Wurzeln zurückkehren.”

– Sven Keyselt, Leiter der Wirtschaftsförderung des Landkreises Nordsachsen

„In den 1990er Jahren haben wir viele Industrie-Unternehmen und mehr als 100.000 Einwohner in Leipzig verloren. Der erste Knick nach oben kam mit der Ankündigung von Porsche, sich hier anzusiedeln. In erster Linie kommen die Menschen ja wegen der Arbeit in eine Stadt. Dazu kommt: Leipzig ist eine Hochschulstadt. Viele Zuzügler sind junge Menschen. Doch die bleiben nur, wenn sie einen attraktiven Standort für ihre Arbeit und Familie haben.”

– Anja Hähle-Posselt, Leiterin Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig –

„International agierende Unternehmen haben eine Struktur mit sehr mobilen, akademischen Mitarbeitern. Von denen würden sicher einige nur ein paar Jahre hier sein und dann zu einem anderen Standort wechseln. Und dann gäbe es viele, die hier dauerhaft beschäftigt sind – das können Leute von hier sein. Aber ich sehe großes Potenzial, dass auch welche kommen, die sagen, hier ist ein cooles Unternehmen, das mir Perspektiven gibt.”

– Oliver Schenk, Chef der Staatskanzlei des Freistaates Sachsen


„Intel unterstützt die Hochschulen in Halle und Merseburg finanziell, um qualifizierte Ausbildungsplätze zu schaffen und Studierende dort zu fördern. Diesen Nebeneffekt könnte man auch hier erwarten. Große Unternehmen müssen sich heute mehr anstrengen, um an qualifiziertes Personal zu kommen. Und das tun sie auch. Dazu kommt: In Wiedemar sind viele Hochschulen in der Nähe – dort steckt ein riesiges Fachkräftepotenzial, was derzeit nicht abgerufen wird. Studierende kommen und gehen wieder. In Sachsen-Anhalt werden zwei Drittel der Studierenden für andere Bundesländer ausgebildet. Wenn hier ein attraktiver Standort eines großen Unternehmens herkäme, würden sie viele junge Menschen zum Bleiben bewegen und die Arbeitswege von vielen Leuten verkürzen.”

– Henning Mertens, Projektleiter Strukturwandel bei der Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH

Dialogrunde 4 – Zukunftsregion Wiedemar: Wie können Schulen, Kindergärten, Freizeit-, Kultur- und Sportangebote ausgebaut werden? 

Gegen 20 Uhr startete schließlich die letzte Diskussion beim ZUKUNFTSFORUM #2. Hier stand die infrastrukturelle Weiterentwicklung der Gemeinde im Mittelpunkt. Bürgerinitiative-Sprecherin Luisa Gruber stellte die Frage, ob Wiedemar ohne das IVG keine Zukunft hätte. Nordsachsens Landrat Kai Emanuel wies darauf hin, dass sich durch den Zuzug in die Metropolen auch die ländlichen Räume immer mehr verdichten und weiterentwickeln würden. Der Gemeinderat könne hier viel mitgestalten und der Landrat Projekte fördern.

Auch Rayk Bergner, Oberbürgermeister der Stadt Schkeuditz, brachte sich in dieser Runde nochmals mit persönlichen Erfahrungen ein und meinte, dass auch in industriell hoch entwickelten westdeutschen Ballungsgebieten noch ländliche Strukturen mit Traditionen existieren.

Am Schluss nahm schließlich der Ortsbürgermeister Thalheim aus Bitterfeld-Wolfen, Uwe Bruchmüller, im Innenkreis Platz. Als Vorsitzender des Technologieparks Mitteldeutschlands gestaltete er ein 360 Hektar großes Industriegelände für verschiedene Hochtechnologie-Firmen mit. Er beschrieb die wechselhafte Transformation von Bitterfeld-Wolfen, in der heute Chemie, Solar und Kreislaufwirtschaft eine große Rolle spielen. Für seinen Ortsteil habe dies eine äußerst positive Entwicklung gehabt – mit sanierten Straßen, einem neuen Gemeindezentrum und mehreren Sportplätzen mit Flutlichtanlagen. “Wir haben in dieser Zeit so viel bekommen. Das wäre nie möglich gewesen, wenn wir nicht den Mut gehabt hätten, so ein Industriegebiet zu erlauben”, meinte Bruchmüller.

Resümee dieser Runde: Großansiedlung und Regionalentwicklung sollten Hand in Hand gehen, damit Unternehmen und Bürgerschaft gleichermaßen davon profitieren.

Wir sind hier, um zusammen zu diskutieren, wie unsere Zukunft aussehen soll. Da ist mir aktuell noch viel Pessimismus dabei. Ich rufe zu einem bisschen mehr Optimismus und Glauben an die Zukunft auf.
Kai Emanuel, Landrat Landkreis Nordsachsen

Ausklang und Ausblick

Nach den vier aufschlussreichen Dialogrunden bedankte sich Peter Escher bei allen Gästen für die sachlichen Diskussionen und wies darauf hin, dass im Anschluss noch Zeit für einen informellen Austausch sei. Bei Snacks und Getränken hatten die Bürgerinnen und Bürger nochmals die Möglichkeit, direkt ins Gespräch mit einzelnen Vertretern aus der regionalen Wirtschaft und Politik zu kommen.

Im neuen Jahr wird es ein weiteres ZUKUNFTSFORUM geben. Informationen dazu erhalten Sie rechtzeitig auf unserer Website oder bei Facebook und Instagram.

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